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Handchirurgie

Überblick

Die Handchirurgie ist seit mehr als zehn Jahren eine eigenständige Disziplin in Deutschland. Aufgrund der Komplexität der Anatomie sowie der Erkrankungen und Verletzungen der Hand ist in Deutschland eine mindestens 3-jährige klinische und operative Ausbildung an einer geeigneten Weiterbildungsstätte gefordert. Abschließend erfolgt eine mündliche Prüfung vor der zuständigen Ärztekammer, um die Zusatzbezeichnung Handchirurg zu erlangen.

Die Chirurgie der Hand hat in den letzten 20 Jahren eine umfangreiche Erweiterung ihrer operativen Möglichkeiten erfahren. Hier sind insbesondere spezielle Nahttechniken und Verbesserungen in der Nachbehandlung von Beugesehnen-Verletzungen zu nennen. Ein weiteres Beispiel sind die Weiterentwicklungen in der Diagnostik und Behandlung traumatischer (unfallbedingter) Veränderungen der Handwurzel.

Den größten Fortschritt bedeutet zweifelsohne die Verbreitung der Mikrochirurgie (Naht feinster Blutgefäße und Nerven mit feinstem Nahtmaterial unter Mikroskop- oder Lupenbrillenansicht) mit all ihren Möglichkeiten sowohl bei der Erstversorgung schwerster Verletzungen der Hand als auch im Rahmen sekundär wiederherstellender Eingriffe.

Sehr wichtig bei allen Bereichen der Handchirurgie ist nicht nur die exakte, atraumatische Operationstechnik, sondern in besonderem Maße eine begleitende funktionelle Übungsbehandlung (Physiotherapie und Ergotherapie) ohne die die großen Fortschritte in der Handchirurgie nicht möglich gewesen wären.

Durch meine langjährige Tätigkeit in der Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Brandverletzte der BG-Unfallklinik in Duisburg verfüge ich über umfangreiche Erfahrungen in Behandlung sämtlicher Erkrankungen und Verletzungen der Hand.

Einige typische Krankheitsbilder bzw. Verletzungen aus dem Gebiet der Handchirurgie:

  • Verletzungen von Sehnen, Nerven, Knochen, Bändern u.s.w.
  • Nerveneinengungen an Armen und Beinen (z.B. Carpaltunnelsyndrom, Ellenrinnensyndrom, Meralgie, Tarsaltunnelsnydrom)
  • Dupuytren´sche Kontaktur
  • Springfinger und chronische Sehnenscheidenentzündungen
  • Tennis- und Golferellbogeneingriffe
  • Verschleißerkrankungen von Finger- und Zehengelenke
  • Gelenkprothesen für Finger und Zehen
  • Rheumachirurgie
  • arthroskopische Handgelenkeingriffe (Gelenkspiegelung)

Handgelenk-Arthroskopie (Spiegelung des Handgelenkes)

Wie das Kniegelenk, so kann auch das Handgelenk durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) genau untersucht werden.

Indikationen: chronische Hangelenk-Schmerzen, Folgezustände nach Frakturen am Handgelenk, Verletzungen (Zerrungen, Prellungen, Arthrose (Verschleiß), Discusläsionen (entspricht dem Meniskus im Knieglenk)

Diagnostik: sorgfältige klinische Untersuchung, Röntgendiagnostik sowie ggf. Kernspintomographie (MRT). Diese ist jedoch nicht zwingend notwendig.

Durchführung: Es werden nur 2-3 Hautschnitte benötigt, um die Instrumente bzw. die Kamera in das Gelenk einzuführen. Im Rahmen der Spiegelung können pathologische (krankhafte) Befunde oft in gleicher Sitzung behoben werden, z. B. Entfernung etwaiger freier Gelenkkörper, Knorpelglättungen, Naht oder Teilentfernung eines gerissenen Discus, Probebiopsien, Entfernung entzündlicher Veränderungen der Schleimhaut. Gelegentlich erfordern die erhobenen Befunde weitere Eingriffe, welche zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden müssen (z. B. Rekonstruktion gerissener Handwurzelbänder - SL-Band -, Gelenkversteifungen oder Teilversteifungen, künstlicher Gelenkersatz).

Nachehandlung: Nach der Operation werden Sie über die Ergebnisse informiert und es wird die weitere Vorgehensweise besprochen. Nur gelegentlich sind weitere Maßnahmen erforderlich (siehe oben).

Nachbehandlung (Krankengymnastik und Ergotherapie)

Sowohl in der Unfallchirurgie als auch auf dem Gebiet der Handchirurgie und Plastischen Chirurgie ist neben der optimalen Erstversorgung eine möglichst frühzeitig einsetzende begleitende krankengymnastische Übungsbehandlung (Physiotherapie) und Ergotherapie für den Erfolg der Behandlung unverzichtbar.

Aufgabe der Ergotherapie ist es, nach schweren Handverletzungen die mit krankengymnastischen Maßnahmen wiedererlangten Funktion umzusetzen in eine für Alltag und Beruf nützliche Einsatzfähigkeit der Hand. Dabei verwischen häufig die Grenzen zwischen Ergotherapie und Krankengymnastik.

In diesem Zusammenhang ist eine sehr enge Kooperation zwischen Chirurg und Physio- oder Ergotherapeut von großer Bedeutung, um frühzeitig die Weichen richtig zu stellen, und um Fehlentwicklungen sofort zu erkennen und zu korrigieren.

Dies betrifft in besonderem Maße das diffizile Gebiet der Handchirurgie. Hier ist insbesondere die Nachbehandlung nach Sehnenverletzungen oder nach Mittelhand- bzw. Fingerfrakturen zu nennen.

Sehr wichtig ist das frühzeitige Erkennen und unmittelbare konsequente Behandeln einer gefürchteten Komplikation, nämlich des so genannten Morbus Sudeck (Algodystrophie). Es handelt sich hierbei um eine Durchblutungsstörung der Hand bzw. des Armes mit erheblichen Funktionseinschränkungen, welche auch nach Bagatellverletzungen entstehen kann und eine sehr langwierige Behahdlung nach sich ziehen kann.

In solch komplizierten Fällen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Handchirurg, Ergotherapeut und Physiotherapeuten sehr wichtig, um schwere Folgeschäden zu vermeiden.

Im Bereich der Plastischen Chirurgie ist insbesondere die Nachbehandlung nach Brandverletzungen zu nennen, die mitunter eine lebenslange Nachsorge erfordert. Hier ist insbesondere die Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern erforderlich, um optimal angepasste Narbenkompressionsbandagen herzustellen, welche die Narbenbildung unterdrücken sollen.

Ebenfalls zum Aufgabengebiet der Ergotherapie gehört die Abhärtungstherapie von. z. B. Amputationsstümpfen oder überempfindlichen Narben.

Mikrochirurgie

Mikrochirurgische Techniken kommen insbesondere in der Handchirurgie und der Plastischen bzw. Rekonstruktiven Chirurgie zum Einsatz.

Hierbei werden feinste anatomische Strukturen, z. B. feinste Blutgefäße und Nerven, welche mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind, mit sehr feinem Nahtmaterial und feinsten Instrumenten, unter Lupenbrillensicht oder unter Einsatz des OP-Mikroskopes mit entsprechender Vergrößerung genäht.

Diese Art der Chirurgie bzw. diese Operationstechnik erfordert einen sehr schonenden Umgang mit dem Gewebe und setzt ein langjähriges Training voraus.

Nachfolgend werden einige typische Einsatzgebiete genannt:

  • Naht durchtrennter Fingernerven
  • Naht durchtrennter Fingergefäße
  • Beugesehnennähte an der Hand
  • Freie, mikrochirurgisch angeschlossene Muskelkappen (z. B. Latissimus-Lappen zur Defektdeckung am Unterschenkel nach offenen Frakturen mit Weichteildefekt)

Letzte Aktualisierung: 21.12.2018

Realisierung: VISUALSEVEN